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Birger-Forell-Realschule

     Die Munitionsanstalt der Wehrmacht

in Espelkamp

         Geschichte – Daten – Fakten

 

Espelkamp ist eine Stadt, die erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges entstanden ist. Ursprünglich war das Kerngebiet der Stadt eine Munitionsfabrik, die nach dem Krieg teilweise gesprengt, deren Baracken jedoch teilweise erhalten wurden, um den aus dem Osten strömenden Flüchtlingen ein neues Zuhause zu bieten. Espelkamp ist nach dem Krieg quasi am Reißbrett aus dem Boden gestampft worden.

Der langjährige Kommandant der Munitionsanstalt (Muna in der „Mund“) in Espelkamp Oberstleutnant a.D. ehemaliger Bunkereingang                                                August Skirde berichtet 1968: „Als ich 1937 von der Wehrmachtsverwaltung nach Espelkamp geschickt wurde, um das Gelände zu besichtigen und mich gutachtlich über Alter Bunkereingang   dessen Eignung für den Aufbau einer Munitionsanstalt zu äußern, war ein großer Teil der Forsten im Besitz der Familie von dem Bussche- Münch und des Staates. In dem Waldgelände lagen außerdem zwei kleine landwirtschaftliche Betriebeund Waldparzellen, die im Besitz Espelkamper und Rahdener Bauern waren. Als man mit dem Bau eines großen Zaunes um das Gelände begann, wurden die beiden Betriebe nach Espelkamp ausgesiedelt.“                                         

Herbst 1937

Die Wehrkreisverwaltung VI, Münster, schickt den Oberleutnant Skirde nach Espelkamp, um zu prüfen, ob die örtlichen Gegebenheiten günstig seinen für den bau einer Munitionsanstalt.

1938/39

In der Gemarkung „Mittwald“, in einem Gelände mit Laub- und Nadelwald im südlichen Teil Espelkamps, beginnt der Aufbau einer „Munitionsanstalt des Heeres“, kurz „Muna“ genannt. Ausmaße: auf rd. 250 ha Waldfläche ehemaliges Nebentor

insgesamt 133 massive einstöckige Gebäude mit rd. 60.000  qm bebauter Fläche, ein rd. 20 km langes Straßennetz, Wasserwerk und Ringleitung, Kläranlage, Hochspannungsanschluss  und Trafostation, Anschlussgleise an die Strecke Herford- Bassum- Bremen. Funktion:

 1. Herstellung von Granaten aus Sprengstoff, Zündern und    Geschossrohlinge. Das Rohmaterial stammte aus anderen Rüstungsbetrieben und wurde in der „Muna“ lediglich schussbereit gemacht.

 2. Lagerung der angelieferten Halbfertigwaren sowie der fertigen Munition.

3. Füllanlage für die Herstellung von Giftgasgranaten mit dem Nervengas „Tabun“. Bis zum Kriegsende ist die Anlage nicht ganz fertiggestellt und somit nicht in Betrieb genommen worden.

1.September 1939

Mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen beginnt der 2. Weltkrieg.

 1940

Am Westrand der „Muna“ zwei Holzbarackenlager  (später „Kolonie“ und „Hedrichsdorf“ genannt) für Arbeiter der „Muna“ errichtet.

 

 

 

 

 

 

 

 

Jugendarbeit in "Hedrichsdorf"

                                                        1941-1944

Deutsche Truppen in der Muna

August Skirde Kommandant der „Muna“.

28. März 1945

Auf einer Krisensitzung weigert sich Major Küppers, den Sprengungsbefehl für die „Muna“ durchzuführen. Unabsehbares Unheil wird damit abgewendet.

April 1945

Die 2. Britische Armee besetzt das Minden- Ravensberger Land und erreicht am 4. April Espelkamp. Die „Muna“ fällt den Engländern unzerstört in die Hände.

8. Mai 1945

Kapitulation der gesamten deutschen Wehrmacht.

Ab Juni 1945

Die ersten Flüchtlinge finden notdürftige Unterkunft in den Baracken der „Kolonie“.

 

 

 

 

 

 

 

Baracken aus der "Kolonie"

17. Juli- 2.August

Konferenz der Siegermächte in Potsdam. Nach den   Entmilitarisierungsbestimmungen Des „Potsdamer Abkommens“ müssen alle Kriegsanlagen der Kategorie I, zu denen auch die „Muna“ gehört, völlig zerstört werden.

gesprengte "Muna"

11. Dezember 1946

Nach Kontaktaufnahme mit dem Ev. Hilfswerk besichtigt der Schwedische Pfarrer Birger- Forell zum ersten Mal das Munagelände. „Hier gibt es Phantastische Möglichkeiten für das evangelische Hilfswerk, Heim und Arbeit für 5000 Menschen zu schaffen“ (Tagebucheintrag). Forell setzt sich in der Folgezeit für die Verhinderung der Demontage und für die Freigabe der„Muna“ ein.                                 Bauen aus Bunkerresten  

Dank u.a. wegen der Bemühungen Birger Forell’ s wurde  das Munagelände nicht ganz zerstört und  deswegen existiert Espelkamp heute.  

 ehemaliges Muna- Gebäude; heute Firma "Rosenthal"

Zum 50. Todestag Birger Forells zusammengestellt von Ulrich Schlick, Christiane Müller-Griepshop und Schülern der Birger-Forell-Realschule. Besonderer Dank gilt den Mitarbeitern der Stadtverwaltung, die uns Zugang zum Stadtarchiv verschafften und uns auch sonst sehr behilflich waren: Herr Spangenberg (Archiv), Herr Siemon (Redakteur in der Öffentlichkeitsarbeit)