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Birger Forell in ZitatenDie Ausgangssituation aus dem Tagebuch Birger Forells 1945: Bei einem Besuch in Deutschland schreibt Birger Forell in sein Tagebuch: „Es war einfach erschütternd. Die Zerstörungen übersteigen alle Begriffe. Ein gleichmäßiger Strom von Flüchtlingen auf allen Straßen mit Resten ihrer Habe auf Kinderwagen oder Handwagen. Ab und zu ein Pferdegespann, alle auf der Suche nach einem Obdach. Mindestens die Hälfte sieht übermüdet und unterernährt aus. Viele Kriegsbeschädigte dazwischen.“
So kamen sie in Espelkamp an Frühzeit – Erste Überlegungen Im Gefangenenlager 18 (Feather-Stone-Park Camp dicht an der schottischen Grenze), wo Birger Forell deutsche Kriegsgefangene betreut, hört er von einem Gefangenen zum ersten Mal von Espelkamp, einer im Krieg unzerstört geblieben Munitionsanstalt im Großraum Bielefeld. Da man nicht weiß, wohin sich die Gefangenen nach ihrer Entlassung begeben könnten, besucht er zusammen mit Pastor Pawlowski, dem Vorsitzenden des Evangelischen Hilfswerkes von Westfalen, im Dezember 1946 zum ersten Mal Espelkamp. Hier sieht er eine erste Möglichkeit, den Kriegsgefangenen, die nicht mehr in ihre Heimat zurückkönnen, aber v.a. auch Flüchtlingen und Heimatvertriebenen aus den deutschen Ostgebieten entscheidend zu helfen, eine neue Heimat zu finden. Tagebuch Birger Forell vom 11. Dezember 1946: „Mit Pawlowski (nach Espelkamp, einer großen Munitionsfabrik von vier Quadratkilometern mit 160 solide gebauten Häusern von z.T. großen Ausmaßen. Die ganze Anlage war noch nicht fertiggestellt. Alles erstklassig eingerichtet. Hier könnte ein 5000 Menschen fassendes Bethel auf christlicher Grundlage entstehen. Hier gibt es fantastische Möglichkeiten für das Evangelische Hilfswerk, Heim und Arbeit für diese 5000 zu schaffen.“
Tagebuch Dezember 1946 (nach einer Sitzung mit dem Evangelischen Hilfswerk und Vertretern aus der britischen Zone):
Pastor Paslowski um 1950
In den folgenden Monaten des Jahres 1947 setzt er sich massiv und vehement für seinen Plan der Gründung einer kleinen Ortschaft bei den verschiedensten Personen der kirchlichen und weltlichen Gremien ein. Finanzielle und technische Hilfe hofft er aus Schweden zu erhalten. Er schreibt schwedischen Freunden, spricht mit Vertretern der Industrie und den Behörden in Boras, die ihm Unterstützung zusichern und versucht auch „Fühlung mit Kreisen aus Industrie und Wirtschaft (in Deutschland, d. Verf.) zu haben…“ Schließlich wird im Mai 1947 ein Gesuch an die Engländer eingereicht: „Mit Pawlowski saß ich bis nach Mitternacht zusammen, um über Espelkamp zu sprechen. Er erzählte, dass das Hilfswerk aus allen Ufern tritt und Espelkamp nur als Teil eines noch größeren Projekts ansieht. Für Espelkamp ist ein Gesuch an die Engländer eingereicht, das ganze Gelände für unsere Pläne freizugeben. Wir sind also im richtigen Augenblick gekommen, um bei den Engländern einzugreifen…“
„Pünktlich trafen wir in Lübbecke ein… Wir wurden vom General freundlich und herzlich empfangen. Er war sofort positiv (General Bishop Mitte) eingestellt für unsere Pläne und erklärte, es sei nicht nötig, ihn zu überreden. Er will alles tun, was ihm nur möglich ist und war auf der ganzen Linie bereitwillig, dass es eine wahre Freude war, mit ihm zu sprechen.“ Probleme Im Laufe der Zeit kristallisieren sich unterschiedliche Vorstellungen der Zukunft Espelkamps bei Pawlowski und Forell heraus. Während Pawlowski eher eine Art diakonische Anstalt nach dem Vorbild Bethels vorschwebt, präferiert Forell die Gründung einer Siedlung für Kriegsgefangene und Jugendliche: „Er (Pawlowski) hat eigensinnige Ideen von ´Innerer Mission im Rahmen der Kirche`, die sich für normale Zeiten sicher gut eignen mögen, aber ich fürchte, er übersieht das Wesentliche: dass wir unseren Kriegsgefangenen und Jugendlichen einen neuen Beginn, neue Hoffnung und eine wirkliche Gemeinschaft bauen wollen. Er denkt zuviel an ´Anstalt`, und wir habe schon vor dem Wort ´Anstalt` Angst… Pawlowski will vor allem Heime für Alte , Kranke und Kinder schaffen. Das ist sicher auch notwendig. Aber unsere Siedlungspläne haben ein weit umfassenderes Programm: Individuelle Heime für Heimatlose zu schaffen, und soweit als nur möglich den Begriff Anstalt zu vermeiden.“ Auch die deutschen Behörden und Begehrlichkeiten anderer Organisationen und Interessenten machen zunehmend Schwierigkeiten, erklären die Übergabe des Munageländes als nur vorübergehend und verfolgen eigene Pläne. Selbst militärische Stellen beginnen eigenmächtig mit Demontagen. Auf jeden Fall soll die dauerhafte Übergabe des Geländes und der sich darauf befindlichen Einrichtungen verhindert werden. Den ganzen Sommer 1947 beteht die Drohung der vollständigen Demontage aller Muna-Gebäude Espelkamps. Nach den Entmilitarisierungsbestimmungen des „Potsdamer Abkommens“ vom 17. Juli- 2.August müssen alle Kriegsanlagen der Kategorie I, zu denen auch die „Muna“ gehört, völlig zerstört werden. Ende September erfährt Pastor Pawlowski auf einer Besprechung in Minden, dass der Befehl zur Demontage durch den Kontrollrat gekommen sei. General Bishop fühlt sich an den Befehl gebunden. Nur ein neuer Kontrollratsbeschluss kann den Befehl wieder aufheben. Munitionsbunker und verschiedene andere Gebäude sind bereits gesprengt worden. General Bishop und Gwynnie versuchen einige der Muna-Gebäude zumindest vorerst zu erhalten. Birger Forell im Oktober 1947: „Wir kämpfen noch um die besten Industriehallen, die man sprengen will. Aber wir hoffen, dass wir etwas mehr retten können. Allerdings wird es etwas schwieriger dadurch, dass Mr. Gwynne wahrscheinlich im neuen Jahr nach England zurückgeht.“ Die Industriehallen sind anscheinend nicht zu retten.
Gesprengte Muna Engagement Oktober 1947 Das Kinderheim in der Muna wird fertiggestellt, aber aufgrund des Auftretens von Kinderlähmung noch nicht bezogen. Das Heim soll zukünftig auch einen Sammelort für eine Kinderverschickung nach Schweden darstellen. Forell bemüht sich um eine entsprechende schwedische Einreiseerlaubnis. Es gelingt ihm, dass seine Gemeinde in Boras das Kinderheim finanziell unterstützt. Brief an Frau Ilgner, eine schwedische Freundin vom 16. Februar 1948 „Letzten Donnerstag hatten wir eine Sitzung vom Komitee für christliche Nachkriegshilfe in Boras, und wir fassten den Entschluss, ein eigenes Kinderheim zusammen mit dem Evangelischen Hilfswerk in Espelkamp zu gründen für 200 Kinder und die Anwesenden waren sich darin einig, dass du die Vertreterin unseres Komitees in Espelkamp wirst. Das übrige Personal muss natürlich deutsch sein, aber wir wollen eine geborene Schwedin als Vorsteherin und vielleicht noch eine schwedische Hilfskraft. Das Ganze soll nämlich auf eine Patenschaft gegründet werden, und dass heißt, dass wir von jedem Kind Namen, Alter, Schuhnummer und die übrigen Einzelheiten bekommen, damit wir die Kinder auf die Paten in Schweden verteilen können, so dass jeder für sein Kind verantwortlich sein und auch mithelfen soll, die Kinder zu kleiden.“ Juni 1948 in einem Brief Forells an das Evangelische Hilfswerk heißt es im Zusammenhang der Übernahme des Kinderheims als schwedische Patenschaft: „Dieses Kinderheim möchten wir gerne aus verschiedenen Gründen in Espelkamp habe, weil wir ja gleichzeitig etwas für die Heimkehrer tun wollen. (… Das Komitee stellt weiter die Bedingung, dass eine schwedische Vertretung in Espelkamp anwesend ist, sowohl für die Betreuung der Kinder als auch für die Betreuung der Heimkehrer.“ Anfang 1948 eröffnet Birger Forell in Espelkamp ein Büro, da er die enorme Schreibarbeit somnst nicht mehr bewältigen kann. Eine Sekretärin hilft ihm bei der Büroarbeit. Unermüdlich kümmert sich Forell auch um die vielen kleinen Probleme, die in der Nachkriegszeit das Leben der Menschen erschweren, sei es die Kartoffelnot oder der Mangel an Bettwäsche, Tischdecken, Gardinen, Kopfbedeckungen, Geschirr u.a. Ebenfalls im Frühjahr 1948 beginnt eine Baugruppe des „Siedlungs- und Heimstättenbaus v. Bodelschwingh“ aus Dünne mit 30 Mann im „Dünne-Lehmbauverfahren“ mit dem Ausbau der Muna-Hallen in Espelkamp. Birger Forell am 21. Juli 1948: „In Espelkamp sind wir etwas vorwärts gekommen. Wir haben nun etwa 300 Kinder hier und wir sorgen für 200, so dass sie besonders gute Ernährung haben, Kleidung, Schuhe, und wir hoffen, dasss wir wenigstens den Winter über durchhalten können. Meine Freunde in Boras haben so viel Geld gesammelt, das wir genug bis Mai 1949 für das Kinderheim haben: Wir haben 120 Leute, die hier an verschiedenen Gebäuden arbeiten, und es ist ein Problem, sie dabei gut zu ernähren. Ein schwedischer Freund half uns mit 20 Tonnen Kartoffeln, und mit Hilfe von Heringen lösten wir das Problem für einige Zeit.“ |
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Zum 50. Todestag Birger Forells zusammengestellt von Ulrich Schlick, Christiane Müller-Griepshop und Schülern der Birger-Forell-Realschule. Besonderer Dank gilt den Mitarbeitern der Stadtverwaltung, die uns Zugang zum Stadtarchiv verschafften und uns auch sonst sehr behilflich waren: Herr Spangenberg (Archiv), Herr Siemon (Redakteur in der Öffentlichkeitsarbeit) |