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ZeitzeugenBesuche von Birger Forell in Espelkamp Von Waltraut Meyer (Zeitzeugin Birger Forells, ehemalige Leiterin der Stadtbücherei Espelkamps)
In vielen Fällen war dann mein kleines Fenster (das zweite links von der Eingangstür neben dem Kircheneingang im Nordflügel) das letzte, hinter dem noch Licht brannte. Und so geschah es auch, dass meine erste Begegnung 1952 mit Pastor Forell sich bei solch einer Ankunft abspielte. Er warf ein Steinchen an mein Fenster (eine Klingel gab es nicht im Martinshaus), und als ich das Fenster aufmachte, nannte er seinen Namen und sagte: „Ich bin wieder da!“ Dann musste er zuerst zum Schwedenkindergarten (auch in der Rahdener Straße; zuletzt das Espelkamphaus), um dort seinen Hausschlüssel zu holen für seine kleine Wohnung im ersten linken Eingang des Nordflügels. Inzwischen hatte ich Teewasser aufgesetzt und war quer durch das ganze Martinshaus gelaufen, also durch den Flur im Nordflügel, quer durch den großen Kirchraum, durche den Gemeindesaal, bis zu dem Flur vor Pastor Plantikos Wohnung, um dort Bescheid zu sagen, dass gleich eine Besprechung bei Pastor Forell stattfinden solle. Pastor Plantiko war der erste Gemeindepfarrer der Evangelischen Martinsgemainde, die erst im Juli 1952 gegründet worden war. Er war ein großer Initiator innergemeindlicher Aktivitäten und bei ihm liefen die Fäden zusammen, die den Aufbau eines ersten gemeindlichen Lebens erst möglich machten. In dem Arbeitskreis, den Plantiko zusammengerufen hatte, waren alle Persönlichkeiten versammelt, die das öffentliche Leben Espelkamps bestimmten, auch die Institutionen wie die Aufbaugemeinschaft, die Baugemeinde, die Schulen und die Kirchen. Der kleine Tisch im Zimmer von Birger Forell war schnell gedeckt und der Tee fertig. Bei der Besprechung, die dem Programm des nächsten Tages galt, erlebte ich ihn als außerordentlich konzentrierten und lebhaften Menschen mit offenem Blick und schneller Auffassungsgabe, der mit Klugheit und auch mit Humor die wesentlichsten Dinge vorstellte. Seine Persönlichkeit war von einer Ausstrahlungskraft, die jeden Gesprächspartner in seinen Bann zog. Es verbot sich von selbst, unnötige Worte zu verlieren, wenn es darum ging, möglichst schnell zu einer Klärung der hauptsächlichsten Punkte zu kommen. Und dann hieß es plötzlich: „Und nun wünsche ich ´Gute Nacht`, wir sehen uns morgen.“ Das bedeutete, dass jeder ganz schnell irgendetwas von dem Geschirr ergriff, den Tisch leerräumte und so schnell wie möglich verschwand. Besuch des Studentenchores von der Universität Uppsala- Birger Forells letzter Besuch in EspelkampSommer 1958 Birger Forell hatte ihn eingeladen: Den berühmten Studentenchor der Universität Uppsala! Er selbst wäre so gern während seines Studiums Mitglied geworden, aber der Preis war hoch und seine Eltern arme Leute. Nun erwartete man ihn in Espelkamp und da ich für die Organisation der Veranstaltung verantwortlich war, erwartete ich den Chor am frühen Nachmittag des Konzerttags im Martinshaus, in der damaligen Bücherei des Volksbildungswerks. Es dauerte nicht lange, da erschien Pastor Forell – leider mit einer schlechten Nachricht: Der Chor befände sich noch auf der Autobahn, es gäbe durch einen Unfall einen Stau und die Ankunft würde sich verzögern. So blieb uns nur das Warten! Für mich ein unfassbares Glück, denn nun standen wir beide am Fenster und ich durfte mir von ihm hochinteressante Dinge erzählen lassen: z.B. von dem Stand der Aktivitäten der „Deutsch-Schwedischen Flüchtlingshilfe“, die, von Forell gegründet, heimatvertriebenen Bauern aus den ehemals deutschen Ostgebieten wieder zu Landkäufen verhalf, damit sie wieder mit einer kleinen Landwirtschaft eine Existenz aufbauen konnten. Und er erzählte mir, dass er neulich in Hamburg gewesen sei und ganz stolz plötzlich gemerkt habe, dass er der schnellste Autofahrer gewesen sei, der alle anderen überholte – nur, leider klärte ihn ein Verkehrspolizist bald auf - zwar höflich, weil er ja Schwede sei, dass die Verkehrsordnung inzwischen geändert sei und in der Stadt nur 30 Stundenkilometer erlaubt seien. Forell konnte dabei ein schönes, ganz verschmitztes Lächeln haben. Doch – endlich tauchte der Bus mit dem schwedischen Chor auf und wir konnten ihn in Empfang nehmen. – Es wurde ein wunderbares Konzert in der Waldschule und die vielen Besucher waren begeistert. Im Anschluss waren die Chormitglieder noch zu einem Empfang im Gemeindesaal des Martinshauses gebeten worden. Dort wurden Reden gehalten von Espelkampern und Schweden. Birger Forell erzählte von seinem Wunsch, dem Chor beitreten zu können und seiner Trauer darüber, ihn nicht verwirklichen zu können. Da stand der Chorleiter der Schweden auf, bedankte sich für diesen wunderbaren Empfang und zu Forells großer Überraschung überreichte er ihm die goldene Ehrennadel des Studentenchores von Uppsala. Eine Ehrung, die Birger Forell mit Tränen in den Augen entgegennahm und sich in bewegenden Worten bedankte. Darauf sangen – oder besser – schmetterten die Chorsänger „ihr“ Lied und warfen ihre weißen Studentenmützen in die Luft und der Jubel darüber war so groß, dass man ihn sicher noch mehrere Straßen weiter in Espelkamp hat hören können. Es war ein großartiger Abschluss dieses Chorbesuchs. Es war Birger Forells letzter Besuch in Espelkamp. Am 4. Juli ist er in Boras gestorben.
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Zum 50. Todestag Birger Forells zusammengestellt von Ulrich Schlick, Christiane Müller-Griepshop und Schülern der Birger-Forell-Realschule. Besonderer Dank gilt den Mitarbeitern der Stadtverwaltung, die uns Zugang zum Stadtarchiv verschafften und uns auch sonst sehr behilflich waren: Herr Spangenberg (Archiv), Herr Siemon (Redakteur in der Öffentlichkeitsarbeit) |